Hallo Woody,
der wichtigste Punkt beim Aufmessen: mach et selber!
Erfahrungen mit Fremdaufmaßen gibt es genug: Da werden z.B. alle Mauerlängen außen gemessen und alle Diagonalen innen: viel Spaß beim Basteln, wenn die Wandstärken nicht dabeistehen!
Beim Aufmaß musst du schon daran denken, wie du die Maße im Rechner zusammenbekommst. Es muss immer ein kompletter Linienzug mit allen Kantenlängen vorhanden sein (grüne Linien im Bild). Bei viereckigem Grundriss reicht eine Diagonale, ich messe aber zur Kontrolle beide.
Bei größeren unwinkligen Bauten lege ich die längste gerade Kante (siehe 1. Beispiel) als Grundlinie fest. Wenn möglich, messe ich von dort jeden anderen Eckpunkt. Die Schnittpunkte sind einfach durch Kreisbögen zu ermitteln.
Nicht jeder Bau bietet diese idealen Messmöglichkeiten (ebene Decke ohne Hindernisse). Altbauten lassen sich oft besser von innen messen. Dazu verwende ich auch einen rechten Winkel, aber nicht als Schnur, sondern als Lasergerät mit Strahlteiler-Prisma oder 3-Achsen-Laser. Den rechten Winkel richte ich parallel zur längsten Gebäudekante aus und messe die Innenecken zu den Referenzachsen. Trotzdem ist auch hier wichtig, alle Kantenlängen zu messen. Den Plan beginne ich mit den Referenzachsen, die Schnittpunkte erhalte ich durch Versetzen der Achsen.
Je nach örtlichen Gegebenheiten werden beide Messmethoden kombiniert.
Die Tatsache, dass einige Maße trotzdem nicht haargenau zusammenpassen, löse ich durch geringfügiges Verschieben einzelner Linien. Wenn ich selbst gemessen habe, weiß ich, welche Maße eindeutig gemessen waren, oder welche nur annähernd genau sind, weil die Messmethode nicht so genau war (Ecken waren z.B. nicht scharfkantig, sondern etwas rund. Andere Maße wurden nicht direkt, sondern gefluchtet oder "um die Ecke" gemessen). Das sind dann die Maße die beim Zeichnen flexibler sein müssen.
Am Ende werden alle Zeichnungsmaße noch einmal mit dem Aufmaß verglichen, und wenn nur noch kleine Toleranzen da sind, erkläre ich den Grundriss als verbindlich.
Aus der Praxis:
Ein Zimmermeister hat ein neues Disto und sagt zu mir: ich messe, du schreibst. Ich einverstanden (neulich habe ich eins seiner Aufmaße im Forum gezeigt). Hab gedacht, wenn ich sehe, was er misst, wird's schon passen. Denkste. Ich am PC, mach alles so wie gerade erklärt, shice (Bons, das war jetzt amerikanisch
), ich krieg den Grundriss nicht zusammen. An paar Ecken waren immer 16-18 cm zuviel oder zuwenig, also zuviel für Toleranzen. Denk ich nach, was los ist... neues Disto? kann keine groben Messfehler machen. PC oder Programm kaputt? Kann nicht sein, andere Bauten stimmen doch. Berni-Syndrom? (verzeih mir, aber ich nix Bierkiste gesehen
). Also spät abends nochmal an Baustelle, 1 Maß fehlte sowieso. Dann gleich ein paar Meistermaße nachgemessen, 1-2 cm Differenz. Noch ein paar Maße, siehe da, 17 cm Unterschied!! Neues Disto? Na klar: ist 17 cm lang. Und Meister noch nix Einweisung oder Bedienungsanleitung gelesen. Ganzen Bau nochmal gemessen.
Deshalb nochmal: mach et selber!