Ich habe den BLK360 der ersten Generation, habe aber mit dem G2 auch schon gearbeitet.
Während des Scannens hatte ich die VIS-Funktion eingeschaltet, aber das Tablet zum Scannen nicht genutzt.
Das Vorgehen hatte einen Grund: Der BLK360G2 war ein Leihgerät, mit dem ich etwa 180 Standorte aufgenommen habe.
Ein noch größerer Unterschied zum G1 ist die Geschwindigkeit, mit der ein Standort aufgenommen ist.
Bei vergleichbarer (mittlerer) Auflösung steht hier 2:50 min gegen 0:37, was bei der Anzahl der Standorte eine große Rolle spielt.
Der G2 hat einen kleinen Nachteil in der maximalen Reichweite gegenüber dem G1, und er hat keine Infrarot-Kamera.
Das Gerät wollte ich abends wieder auf seine Heimreise schicken, musste also zeitorientiert arbeiten.
Bis dahin wusste ich auch noch nicht, wie sich VIS tatsächlich auswirkt.
Beim Scannen dauert es manchmal einen Moment, bis der G2 seine neue Position tatsächlich über VIS erkannt hat.
Voraussetzung dafür ist, dass die räumliche Veränderung nicht zu groß ist, und die Videokamera, die das VIS mit Daten füttert, nicht abgeschattet wurde.
VIS kann z.B. keine Standorte verknüpfen, wenn es keine oder zu wenig Überlappungen gibt, wie z.B. von draußen nach drinnen, wo es eine völlig andere Umgebung findet. In dem Fall bleibt der nächste Standort unverknüpft, die nächsten hängen sich dort wieder an. Am Ende hast Du dann mehrere verknüpfte Gruppen, die nachträglich miteinander registriert (d.h. passend ausgerichtet) werden.
Das Tablet bzw. Smartphone hatte ich nicht genutzt, weil ich es über diese Stunden öfter hätte nachladen müssen, und dazu fehlte mir einfach die Zeit.
Die Leica Field 360 Software schreibt die Verknüpfungen eigentlich zurück ins BLK-Gerät. Ich hatte gehofft, dass der BLK das auch während der Solo-Bedienung macht, denn er bietet ja diese Funktion an. Das hat jedoch bei meinem Einsatz nicht geklappt, deshalb hätte ich diese Funktion auch einfach ausgeschaltet lassen können.
Warum hat das nicht geklappt?
Ganz einfach, ich verwende zum Registrieren und zur Erzeugung der e57-Datei nicht die Leica-Software, sondern das PinPoint-Programm von scasa.eu.
Auf diesem Weg werden die VIS-Informationen aus dem Gerät leider nicht übernommen. Das bedeutet, ich habe einen großen Haufen Scans, deren Ursprung deckungsgleich am selben Punkt liegt, alle Scans liegen in zufälliger Ausrichtung ineinander.
Das nachträgliche Registrieren braucht natürlich etwas Zeit und es hilft sehr, wenn man sich mit der Handhabung der Software schon gut auskennt. Ich empfehle nicht, dieses Vorgehen beim ersten Projekt anzuwenden, wenn es eine gewisse Größenordnung hat.
Meine Baustelle war 500 km von zu Hause entfernt, der Zeitplan sehr knapp, deshalb hatte ich den Workflow so entschieden.
An das manuelle (bzw. halbautomatische) Ausrichten der Standorte habe ich mich gewöhnt, und mache das eigentlich immer so.
Neulich habe ich eine Werkhalle gescannt, hatte knapp 20 Standorte, ohne VIS mit dem G1, die waren per PinPoint-Automatik in etwa 5 Minuten zusammengesetzt. Bis dahin entspricht das in etwa dem Ergebnis, was VIS schon an der Baustelle gemacht hätte. Bei Scans mit weniger Überlappung dauert das meist etwas länger mit mehr manuellen Eingriffen.
In beiden Fällen (mit/ohne VIS) ist eine Nachkontrolle notwendig. Mit etwas Übung sieht man ziemlich schnell, wenn Standorte nicht sauber registriert sind, manchmal ist das aber auch nicht so offensichtlich. Die Automatik kann durchaus plausibel erscheinende Ergebnisse liefern, die aber trotzdem falsch sind. Sogar die Kontrolldaten (größter Fehler, Standardabweichung, Überlappungsanteil) kann erstmal gut aussehen, aber trotzdem falsch sein. Beispiel: Scanne ein Bürogebäude mit einem Flur, von dem mehrere baugleiche Zimmer abgehen, die sich räumlich sehr ähneln. Die können beim Registrieren durchaus vertauscht werden, ohne dass man es gleich sieht.
Ebenso kann ein Rechteck-Zimmer in einer Wohnung um 180° gedreht registriert werden, und man sieht erst später, dass eine Tür oder ein Kamin in der falschen Ecke sitzt. Das wäre mit VIS wahrscheinlich besser gelaufen, weil der Standort schon vor Ort halbwegs richtig positioniert wird.
Was man immer nachträglich machen sollte, ist eine Feinjustierung der Scans, damit sichergestellt ist, dass es KEINE ungewollten Verschiebungen eines oder mehrerer Standorte gibt. Man braucht dazu ein waches Auge und einen Sinn dafür, wo es Schwachstellen geben kann, und das Wissen, wie man dadurch entstandene Fehler repariert, ohne an anderer Stelle etwas kaputt zu machen. Das schafft man durch Übung und Erfahrung.
VIS ist eine fortschrittliche Technik, die an der Baustelle nur sehr wenig Zeit mehr braucht, und in der Nachbearbeitung Zeit und Fehler einspart.
Aber lebensnotwendig ist sie nicht.