Zeitaufwand / Dauer für Arbeitsvorbereitung

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  • Hallo zusammen. Ich soll heute eine Schätzung abgeben, wie lange ich für die Arbeitsvorbereitung bei einem Projekt brauche, welches unsere Firma gerne anbieten möchte.

    Der Bau selbst ist nicht allzu kompliziert, aber mit über 60 Wohneinheiten schon relativ groß... Vom Sockel- bis zum Traufdetail muss alles ausgearbeitet werden. Und natürlich die Pläne für Architekten, Prüfer, Vorfertigung, Montage, Bemessung von Schallentkopplung (erstellen lassen), Massen ermitteln, Anschlüsse klären, Positionen von Schaltern und Dosen festlegen usw. Nur einen Fassadenplan wird es nicht geben, da das Gebäude verputzt wird.

    Daher meine Frage: macht ihr solche Einschätzungen anhand von Erfahrungen/Bauchgefühl oder wie geht ihr das an?

    Dürfte ich vielleicht jemandem mal 2-3 Pläne von dem BV schicken, um mir eine unverbindliche zweite Meinung für die Dauer einzuholen? Ich stehe hier einfach wirklich auf dem Schlauch, was die Vorbereitungszeit betrifft. Meine Einschätzung muss ich wie gesagt heute abgeben...

    Hier nur ein paar Screenshots ohne Plankopf:


    LV.PNGAnsicht.PNGGR_og.PNGSchnitt.PNG

  • Hallo Lennard, das ist schon ziemlich umfangreich. Ich würde es versuchen auf Zeitannahme zu machen und 100h anbieten. Bei solchen Projekten kommen immer wieder Änderungen hinzu, welche eingearbeitet werden müssen. Wenn ich einen Pauschalpreis machen sollte wäre dieser nicht unter 8000€.




    MFG Matze

    zünftige Grüsse aus dem Norden

  • Hallo Lennard, das ist schon ziemlich umfangreich. Ich würde es versuchen auf Zeitannahme zu machen und 100h anbieten. Bei solchen Projekten kommen immer wieder Änderungen hinzu, welche eingearbeitet werden müssen. Wenn ich einen Pauschalpreis machen sollte wäre dieser nicht unter 8000€.




    MFG Matze

    100 Stunden finde ich auch eher sportlich. Vor allem wenn ich bedenke, dass hier keine vollständige Planung gemäß Leistungsphase 5 vorliegt. Das gibt einem natürlich gewisse Freiheiten, bedeutet aber auch wiederum mehr Zeitaufwand, da man selbst die jeweiligen Punkte planen/ausarbeiten muss.


    matze28

    Respekt, wenn du das in 100 Stunden schafft!
    Da gehen schon 100 Stunden für irgendwelche Besprechungen drauf!

    Ich gehe auch davon aus, dass solche Punkte sehr viel Zeit fressen. Aus meiner Sicht wäre es hier am effizientesten, wenn man etwas vorlegt und dann fragt, ob es für den entsprechenden Empfänger (z.B. den Eleketriker) so in Ordnung ist. Wenn man anfängt zu fragen: "Wie hätten Sie gerne diese Sache vorbereitet?", spielt man sich den Ball unnötig oft hin und her.


    Falls es jemanden interessiert: Ich habe als Schätzung 12 Wochen abgegeben.

  • Früher hab ich mich durch solche Projekte durchgekämpft und festgestellt, dass es sich am Ende nicht gerechnet hat. Zum Einen war es Selbstüberschätzung, wie lange man dafür wirklich braucht, zum Anderen kamen während dieser Zeit immer andere Dinge dazwischen, die auch erledigt werden mussten. Bei so großen Projekten darf man seine Zeit eigentlich nur halb verplanen, so dass sich der Endtermin auf die doppelte Zeit hinausschiebt. Gewerkeübergreifende Projekt-Zeitpläne lassen das aber oft nicht zu, so dass man sich in engere Zeitrahmen zwingen lässt. Das ist riskant.


    Bisher war es bei JEDEM meiner Projekte so, dass die Vorplanung nicht einfach übernommen und ausgearbeitet werden konnte. Egal, wie schön und sauber die Linienführung der Architekten- und Statikpläne aussieht: Was die Pläne WIRKLICH taugen, merkt man erst, wenn man damit arbeitet.

    In der Regel hat die Planung schon mehrere Änderungen hinter sich, und mit Sicherheit wurden nicht alle betroffenen Pläne konsequent nachbearbeitet. Das ist eben eine Tatsache, die bei 2D-Planung immer vorkommt. Mal mehr mal weniger, und manchmal sogar unerträglich viel.

    Architektenpläne stimmen oft untereinander nicht, und die Statikpläne machen davon keine Ausnahme.


    Wichtig ist, dass man das frühzeitig dokumentiert und kommuniziert. Einen gewissen Anteil an Detailklärung muss man von vornherein in sein Angebot einrechnen. Wann diese Grenze überschritten ist, muss man plausibel bewerten und kommunizieren. Mein Weg, das zu kommunizieren ist zu 95% per E-Mail, nur ein ganz geringer Teil telefonisch. Manchmal ist es auch sinnvoll, eine Video-Konferenz einzuberufen, in der 3 oder 4 Parteien Details unter einen Hut bringen, oder sich im Nachgang um die aufgezeigten Probleme kümmern.


    Ich habe schon Projekte bearbeitet, wo meine Schlussrechnung mehr als doppelt so hoch war wie mein Angebot, und das wurde anstandslos akzeptiert. Ohne die entsprechende Kommunikation hätte ich in die Röhre geschaut.

    Man muss bei jedem Kunden herausfinden, wie sehr man an die Vorplanung und an seine Details gebunden ist, und wieviel Freiheit man für eigene handwerkliche Ausführungen hat. Wenn man zu wenig Freiheit hat, geht es im Projekt nicht voran, wenn man sich selbst zu viele Freiheiten gestattet, kann es sein, dass man danach wieder aufwendig ändern muss. Es bleibt eine Gratwanderung.


    Das Ganze im Vorfeld zeitlich einzutakten, ist oft gar nicht möglich. Mein Bestreben war immer, eine fachlich und handwerklich saubere AV zu liefern, bei der so viele Vorgaben wie möglich berücksichtigt werden, und die Projekte auch montagefreundlich produziert werden, um die Baustellenzeiten kurz zu halten. Dieser Weitblick wird jedoch von manchem Auftraggeber nicht gesehen und nicht honoriert, es sei denn, man kommuniziert es rechtzeitig.


    Schon seit längerer Zeit nehme ich keine Aufträge mehr in dieser Größenordnung an. Mir sind 20 Kleinaufträge viel lieber als EIN großer, und ich brauche dafür nur EINMAL "Nein" zu sagen, kann dafür 20 Mal "Ja" sagen. Aufträge gab und gibt es genug, so dass ich mir das bedenkenlos aussuchen kann, was und wie oft ich sie annehme.


    Für ein größeres Projekt halte ich Teamarbeit für ein gutes Mittel. Unser Programm bietet ja dazu einiges an Möglichkeiten.

    Beim Kalkulieren solcher Projekte gehe ich grundsätzlich auf doppelte Weise vor.

    Zunächst mache ich Flächenermittlungen für alle Dach- Decken und Wandflächen (ich hab dafür ein selbstgebautes Excel-Formblatt).

    Je nach verlangter Ausbaustufe habe ich grobe Richtwerte pro Quadratmeter. Dabei wird berücksichtigt, wie viele Schichten in den Flächen modelliert werden müssen, die Kompliziertheit der Gebäudegeometrie spielt eine Rolle, viele Kleineflächen brauchen länger als wenige Großflächen, und es gibt Sonderkonstruktionen (Einzelbinder, Stahlkonstruktionen, Sonderausführungen einiger Flächen), die man ach kalkulieren muss. Besprechungen, Detailklärungen, örtliche Aufmaße usw. nicht vergessen!


    Die Summe, die durch die Flächenansätze herauskommt, teile ich durch meinen Stundensatz und erhalte die Zeit, in der ich meine Planung abgeschlossen haben sollte. Die Erfahrung und das Bauchgefühl sagen mir, ob der Preis so bleiben kann, oder ob ich die Preise für die Flächen nochmal anpassen muss.
    Wenn ich das alles zwei oder drei Mal angepasst habe, und mit der Angebotssumme einverstanden sein könnte, gebe ich noch einen Zuschlag drauf, um mehr Sicherheit zu haben. Je nach Projektverlauf entscheidet das manchmal, wo ich meine Grenze für die zumutbare Klärungszeit setzen muss, oder ob noch etwas Reserve bleibt.

    Ich wünsche Dir für Dein Projekt eine Kalkulation, mit der Du gut leben kannst, das Glück einer sauberen Vorplanung ohne viel Klärungsbedarf und am Ende Deinen Erfolg, sowohl fachlich wie auch rechnerisch.

    Freundlich grüßt
    Der_Planer

  • Wenn ich mir im Schnitt den Dachaufbau ansehe... dann wundert dieser mich schon sehr

    Meinst Du die grau angelegte Fläche oberhalb der Dachpfannen? Das erkenne ich als Brandgiebel.

    Im Dachaufbau finde ich nur die Konterlatten mit 20 mm etwas dünn.

    Freundlich grüßt
    Der_Planer

  • Ich spreche auch manche Dinge an, die ich in Zeichnungen finde, die nicht meiner Überzeugung entsprechen.

    Vieles davon wird angenommen, manches aber auch nicht.

    Wenn etwas offensichtlich falsch ist, melde ich schriftlich Bedenken an.


    Ansonsten ist der Kunde König und bekommt, was er unbedingt will.

    In der AV würde ich die Konterlatten dann zwar mit 20 mm darstellen, aber sie nicht vermaßen oder beschriften.

    Nach mir kommt ja noch jemand, der sie einbaut und letztlich selbst darüber entscheidet, was er macht.

    Freundlich grüßt
    Der_Planer



  • Ich wünsche Dir für Dein Projekt eine Kalkulation, mit der Du gut leben kannst, das Glück einer sauberen Vorplanung ohne viel Klärungsbedarf und am Ende Deinen Erfolg, sowohl fachlich wie auch rechnerisch

    Vielen Dank für die ausführliche Meinung. Hier ist auf jeden Fall einiges dabei, was ich in unseren Projekten auch wiederfinde. Vor allem der Aspekt mit dem Schriftverkehr ist mir sehr wichtig.

    Insegsamt scheint es ja aber so zu sein, dass selbst mit langer Berufserfahrung nur im gewissen Maße abgeschätzt werden kann, wie lange die AV wirklich dauert, da man zu viele der Variablen einfach nicht kontrollieren kann.

    Mir persönlich gefallen die mittleren Objektbauten am besten, bei denen man schon eine Weile mit dem Projekt beschäftigt ist, aber ein Ende dann auch irgendwann wieder in Sicht kommt.


    Eine Dokumentation der eigenen Arbeitszeit scheint mir auch eher schwierig, da man zwischendurch immer wieder andere Projekte hat und nicht kontinuierlich X Wochen an einem Bauwerk sitzt.. Sollte dieser Auftrag hier wirklich kommen, werde ich aber gerne mal berichten, was die Menge an Klärungsbedarf betrifft.


    ja die Konterlatten meinte ich... zumal wenn Holzweichfaserplatten darunter sind

    Hier hätte ich in der AV direkt mit 40mm gerechnet und es auch so in die Freigabepläne eingetragen. Bei den übrigen Unterlagen habe ich das Gefühl, dass die sich stark an den Publikationen vom informationsdienst Holz orientiert haben und zum Glück nicht an jeder Ecke das Rad neu erfinden wollten.

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