Ein Weg wäre, sich die Unterlagen anzusehen und erstmal eine Anforderungsliste zu verteilen, welche Vorleistungen noch fehlen, bevor man die Konstruktionsarbeit sinnvoll in Angriff nehmen kann.
Das Dumme daran ist, dass sich IMMER ein Kollege findet, der es für den Kunden scheinbar unkomplizierter macht, und der bekommt dann die nächsten Aufträge. Bis er bald so überlastet ist, dass er zusammenbricht. Aber die Aufträge sind dann erstmal vergeben.
Eine andere Sache ist, dass man den Unterlagen im Vorfeld oft nicht ansieht, welche Qualität sie haben. Sauber gezeichnete 2D-Pläne können unter Umständen völlig unstimmig und widersprüchlich sein. Das merkt man erst, wenn man sie zum Konstruieren verwendet.
Also muss eine Lösung gefunden werden.
Die kann eigentlich nur heißen:
Klar, wir machen das!
Aber das Geld, was Du, lieber Bauherr, beim Architekten und Statiker und Bauleiter eingespart hast, kannst Du gerne jetzt MIR überweisen. Ich schreib es einfach mit auf die Rechnung. Und genau dafür muss man sich im Vorfeld Freiräume schaffen, indem man seinen Leistungsumfang definiert, aber auch definiert, was NICHT dazu gehört und im Fall der Notwendigkeit auf der Rechnung steht. Den zeitlichen Freiraum für diese Tätigkeiten muss man sich ebenfalls schaffen. Zum Beispiel, indem man weniger Aufträge annimmt. Erfahrungsgemäß füllt sich der Terminkalender ganz von selbst. Und man hat die Möglichkeit zu sortieren, welche Arbeiten man annimmt oder welche man gerne dem Mitbewerber überlässt.
Eine entsprechende Klausel im Angebot, hinterlegt mit einem Stundensatz, kommt dann zur Anwendung, sobald eine gewisse Schwelle an (normalem) Klärungsbedarf überschritten wird. Das muss nur zeitnah kommuniziert werden, so dass der Kunde noch entscheiden kann, ob er die Leistung vom Vorplaner oder von uns abrufen möchte.
Es ist eigentlich eine Ehre für unseren Berufsstand, dass wir nach Lösungen gefragt werden, die der Bauherr wünscht, und dass wir kompetent genug sind, diese auch ordentlich auszuführen. Aber wir sollten uns bewusster werden, dass wir das auch in Rechnung stellen können.
Wir haben dadurch ein gutes Einkommen, und der Bauherr hat eine saubere und handwerklich ausgereifte Leistung, die er anderswo nicht bekommt.
Man nennt es "win-win-Situation".