Früher hab ich mich durch solche Projekte durchgekämpft und festgestellt, dass es sich am Ende nicht gerechnet hat. Zum Einen war es Selbstüberschätzung, wie lange man dafür wirklich braucht, zum Anderen kamen während dieser Zeit immer andere Dinge dazwischen, die auch erledigt werden mussten. Bei so großen Projekten darf man seine Zeit eigentlich nur halb verplanen, so dass sich der Endtermin auf die doppelte Zeit hinausschiebt. Gewerkeübergreifende Projekt-Zeitpläne lassen das aber oft nicht zu, so dass man sich in engere Zeitrahmen zwingen lässt. Das ist riskant.
Bisher war es bei JEDEM meiner Projekte so, dass die Vorplanung nicht einfach übernommen und ausgearbeitet werden konnte. Egal, wie schön und sauber die Linienführung der Architekten- und Statikpläne aussieht: Was die Pläne WIRKLICH taugen, merkt man erst, wenn man damit arbeitet.
In der Regel hat die Planung schon mehrere Änderungen hinter sich, und mit Sicherheit wurden nicht alle betroffenen Pläne konsequent nachbearbeitet. Das ist eben eine Tatsache, die bei 2D-Planung immer vorkommt. Mal mehr mal weniger, und manchmal sogar unerträglich viel.
Architektenpläne stimmen oft untereinander nicht, und die Statikpläne machen davon keine Ausnahme.
Wichtig ist, dass man das frühzeitig dokumentiert und kommuniziert. Einen gewissen Anteil an Detailklärung muss man von vornherein in sein Angebot einrechnen. Wann diese Grenze überschritten ist, muss man plausibel bewerten und kommunizieren. Mein Weg, das zu kommunizieren ist zu 95% per E-Mail, nur ein ganz geringer Teil telefonisch. Manchmal ist es auch sinnvoll, eine Video-Konferenz einzuberufen, in der 3 oder 4 Parteien Details unter einen Hut bringen, oder sich im Nachgang um die aufgezeigten Probleme kümmern.
Ich habe schon Projekte bearbeitet, wo meine Schlussrechnung mehr als doppelt so hoch war wie mein Angebot, und das wurde anstandslos akzeptiert. Ohne die entsprechende Kommunikation hätte ich in die Röhre geschaut.
Man muss bei jedem Kunden herausfinden, wie sehr man an die Vorplanung und an seine Details gebunden ist, und wieviel Freiheit man für eigene handwerkliche Ausführungen hat. Wenn man zu wenig Freiheit hat, geht es im Projekt nicht voran, wenn man sich selbst zu viele Freiheiten gestattet, kann es sein, dass man danach wieder aufwendig ändern muss. Es bleibt eine Gratwanderung.
Das Ganze im Vorfeld zeitlich einzutakten, ist oft gar nicht möglich. Mein Bestreben war immer, eine fachlich und handwerklich saubere AV zu liefern, bei der so viele Vorgaben wie möglich berücksichtigt werden, und die Projekte auch montagefreundlich produziert werden, um die Baustellenzeiten kurz zu halten. Dieser Weitblick wird jedoch von manchem Auftraggeber nicht gesehen und nicht honoriert, es sei denn, man kommuniziert es rechtzeitig.
Schon seit längerer Zeit nehme ich keine Aufträge mehr in dieser Größenordnung an. Mir sind 20 Kleinaufträge viel lieber als EIN großer, und ich brauche dafür nur EINMAL "Nein" zu sagen, kann dafür 20 Mal "Ja" sagen. Aufträge gab und gibt es genug, so dass ich mir das bedenkenlos aussuchen kann, was und wie oft ich sie annehme.
Für ein größeres Projekt halte ich Teamarbeit für ein gutes Mittel. Unser Programm bietet ja dazu einiges an Möglichkeiten.
Beim Kalkulieren solcher Projekte gehe ich grundsätzlich auf doppelte Weise vor.
Zunächst mache ich Flächenermittlungen für alle Dach- Decken und Wandflächen (ich hab dafür ein selbstgebautes Excel-Formblatt).
Je nach verlangter Ausbaustufe habe ich grobe Richtwerte pro Quadratmeter. Dabei wird berücksichtigt, wie viele Schichten in den Flächen modelliert werden müssen, die Kompliziertheit der Gebäudegeometrie spielt eine Rolle, viele Kleineflächen brauchen länger als wenige Großflächen, und es gibt Sonderkonstruktionen (Einzelbinder, Stahlkonstruktionen, Sonderausführungen einiger Flächen), die man ach kalkulieren muss. Besprechungen, Detailklärungen, örtliche Aufmaße usw. nicht vergessen!
Die Summe, die durch die Flächenansätze herauskommt, teile ich durch meinen Stundensatz und erhalte die Zeit, in der ich meine Planung abgeschlossen haben sollte. Die Erfahrung und das Bauchgefühl sagen mir, ob der Preis so bleiben kann, oder ob ich die Preise für die Flächen nochmal anpassen muss.
Wenn ich das alles zwei oder drei Mal angepasst habe, und mit der Angebotssumme einverstanden sein könnte, gebe ich noch einen Zuschlag drauf, um mehr Sicherheit zu haben. Je nach Projektverlauf entscheidet das manchmal, wo ich meine Grenze für die zumutbare Klärungszeit setzen muss, oder ob noch etwas Reserve bleibt.
Ich wünsche Dir für Dein Projekt eine Kalkulation, mit der Du gut leben kannst, das Glück einer sauberen Vorplanung ohne viel Klärungsbedarf und am Ende Deinen Erfolg, sowohl fachlich wie auch rechnerisch.